David gegen Goliath – unser Kampf gegen die Bürokratie

Wie man ein historisches Schloss erhält, einen Botanischen Garten ausbaut und dabei immer wieder gegen Behörden kämpfen muss.

Wer ein Schloss besitzt, lebt wie im Märchen. Zumindest glauben das viele Menschen. Prächtige Räume, jahrhundertealte Mauern, ein wunderschöner Landschaftspark und vielleicht noch ein paar rauschende Feste. Die Wirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus. Wer heute in Deutschland ein Schloss besitzt, muss nicht nur ein denkmalgeschütztes Gebäude erhalten, einen Park pflegen und die damit verbundenen erheblichen Kosten finanzieren. Er muss sich zunehmend auch mit einer Bürokratie auseinandersetzen, die oft mehr Kraft, Zeit und Geld kostet als die eigentliche Erhaltung unseres Kulturerbes.

Ich lebe und arbeite seit über 33 Jahren auf Schloss Dennenlohe in Mittelfranken. Der Grüne Baron und ich haben aus einem kleinen historischen Schlosspark einen weit über die Region hinaus bekannten Landschaftspark mit 26 Hektar Fläche geschaffen, den Zehntausende Menschen schätzen und lieben und die Dennenlohe als grünes Refugium für ihre seelische und körperliche Gesundheit schätzen. Wir haben Wege angelegt, wahrlich viele Brücken in jede Richtung geschlagen, Pflanzensammlungen aufgebaut, Veranstaltungen organisiert und einen Ort geschaffen, der Natur, Gartenkunst, Kultur, Bildung und Erholung miteinander verbindet. Unsere Besucher lieben und schätzen Denennlohe als ganz besonderen, magischen Ort.

Und während wir jeden Euro in die Erhaltung und Weiterentwicklung dieses besonderen Ortes investieren, kämpfen wir an anderer Stelle gegen Verwaltungsentscheidungen, die wir weder nachvollziehen noch akzeptieren können.

Grundsteuer: Wenn historische Gebäude und landwirtschaftlicher Grund plötzlich zur finanziellen Belastungsprobe werden

Ein Schloss ist keine gewöhnliche Immobilie. Historische Gebäude verursachen enorme Unterhaltskosten. Dächer, Fassaden, Fenster, Heizungen und denkmalgeschützte Bauteile lassen sich nicht einfach nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten modernisieren. Vieles muss aufwendig restauriert werden, und fast alles kostet deutlich mehr als bei einem normalen Gebäude, wenn es sich überhaupt sanieren läßt.

Umso unverständlicher ist es für uns, wenn wir uns zusätzlich mit Grundsteuerforderungen in Höhe von über 56.000 Euro pro Jahr alleine für den Park auseinandersetzen müssen, deren Berechnung wir für fehlerhaft halten.

Wir müssen stundenlang komplizierte Bescheide prüfen, die mich – trotz eines Diplomstudiengangs, zweier Masterabschlüsse und eines Doktors – wie einen Erstklässler fühlen lassen, falsche Berechnungen aus einer Steuerprüfung von 2015 hinterfragen, Unterlagen für verschiedene Jahre zusammenstellen und uns mit steuerlichen Bewertungen aus Kuchenverkäufen von 2016 beschäftigen, anstatt unsere Zeit in den Erhalt der historischen Substanz investieren zu können. Tausende von Euro gehen an Steuerberater und Rechtsanwälte, statt in den Garten oder auf die Dächer.

Dabei geht es nicht darum, dass wir keine Steuern bezahlen wollen. Selbstverständlich müssen auch Schlossbesitzer ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. Aber wir erwarten, dass die Besonderheiten denkmalgeschützter Gebäude und landwirtschaftlicher Betriebe berücksichtigt werden und daß Steuerbescheide auf zutreffenden Grundlagen beruhen. Wir wollen keine Strafe zahlen, nur weil der Steuerprüfer nicht weiß, daß ein landwirtschaftlicher Betrieb verlängerte Fristen für die Angabe seiner Steuererklärungen hat.

Wie kommt die Steuerbehörde außerdem darauf, daß wir Hunderte Meter Wege im Park betoniert haben? Warum schauen Sie nicht einfach kurz bei Google Maps rein und sehen, daß es nur Wiesenwege in Dennenlohe gibt?

Ein Denkmal wie Dennenlohe ist kein gewöhnliches Objekt. Es ist ein Stück Geschichte, dessen Erhaltung auch im öffentlichen Interesse liegt. Noch dazu, wo Menschen „Grün“ mehr denn je brauchen und wir für Dennenlohe ja auch vor 2 Jahren dafür die Staatsmedaille für Umweltschutz verliehen bekommen haben.

Ein Paar geht mit mehreren Hunden auf einem von Bäumen gesäumten Weg durch einen herbstlichen Park. Einige Hunde sind lebendig, während andere wie Skulpturen aussehen.

Steuerfahndung: Wenn aus behördlichen Feststellungen jahrelange Auseinandersetzungen werden

Noch belastender sind unsere Erfahrungen mit steuerlichen Prüfungen und Ermittlungen. Vor etwas mehr als 4 Jahren kamen 30 Steuerfahnder und haben Dennenlohe James-Bond-artig umstellt. Alles auf Kosten der Steuerzahler natürlich. Vier Jahre passierte nichts und jetzt kam ein Schreiben, das u.a. feststellt, daß wir angeblich 3,4 Getränke pro Essen in unserer „gehobenen“ Gastronomie verkaufen, die wir aber angeblich nicht angebenen haben. Jeder der in Dennenlohe im Cafe oder früher im Marstall zu Gast war, weiß, daß es dort wahrlich keine gehobene Gastronomie gab oder gibt, sondern wir schlicht versuchen, unsren Gartenbesuchern eine Kleinigkeit anzubieten, sodaß Sie nicht verdursten oder verhungern müssen. Wie kommt ein Steuerprüfer auf solche Zahlen? Warum fragt er uns nicht einfach? Wie kann es sein, daß bei unserem Steuerberater und allen Hausbanken eine Razzia durchgeführt wird – wieder auf Kosten der Steuerzahler? Ich verstehe es nicht… Wir sehen uns mit Feststellungen der Steuerfahndung konfrontiert, die wir in wesentlichen Punkten für falsch und abstrus halten. Wir fahren angeblich drei gleiche Autos gleichzeitig? Nein, natürlich fahren wir ein Auto nach dem Anderen – einer geht kaputt – ein Anderer kommt. Lässt sich eigentlich leicht in der Buchhaltung nachvollziehen….

Wir haben einen Umsatz im Orangerie Café nicht richtig verbucht? Es gibt nicht nur die Erlöskonten Essen und Getränke – sondern auch Eis und Sonstiges…einfach fragen oder besser in der Buchhaltung nachgucken. Das alles ist keine Kleinigkeit. Denn wenn eine Behörde Sachverhalte aus unserer Sicht unzutreffend erfasst oder bewertet, müssen wir anschließend einen erheblichen Aufwand betreiben, um diese Feststellungen zu widerlegen. Es müssen Unterlagen aus 2016, 2019 oder 2020 herausgesucht, Zahlen überprüft, Sachverhalte erklärt und gegebenenfalls rechtliche Schritte eingeleitet werden. Jede Stunde Rechtsberatung kostet heutzutage um die 350- 400 Euro und da kommen einige Stunden zusammen, die uns niemand ersetzt. Alles kostet Zeit und viel Geld. Und vor allem kostet es meine Nerven.

Besonders frustrierend ist für mich, daß wir als Betroffene die Arbeit haben, Fehler nachzuweisen, während die ursprünglichen behördlichen Feststellungen zunächst erhebliche Konsequenzen haben können. Denn welche Bank hat schon gerne eine Razzia?

Natürlich haben Finanzbehörden die Aufgabe, Steuergesetze durchzusetzen. Das stellen wir überhaupt nicht infrage. Aber wir erwarten auch von staatlichen Stellen Sorgfalt, Verhältnismäßigkeit und die vor allem Bereitschaft, eigene Feststellungen kritisch zu überprüfen. Das sehen wir hier aktuell leider noch nicht….

Wer vom Bürger korrekte Angaben verlangt, muss selbst mit größtmöglicher Genauigkeit arbeiten.

Der Botanische Garten Dennenlohe: Erst anerkannt, dann plötzlich aberkannt?

Besonders absurd erscheint uns derzeit die Auseinandersetzung um den Status unseres Botanischen Gartens. Seit 2008 ist der Schlosspark Dennenlohe mit dem Rhododendronpark als Botanischer Garten anerkannt. Die Regierung von Mittelfranken hat diesen Status 2024 erneut anerkannt. Und diese Anerkennung ist keineswegs nur ein schöner Titel. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir umfangreiche Pflanzensammlungen aufgebaut, darunter die größte Efeusammlung Deutschlands, eine bedeutende Rhododendronsammlung und eine Sammlung mit rund 3.000 Taglilien.

Wir besitzen ein knapp 3 Hektar großes seltenes Moorgebiet, das wissenschaftlich begleitet wird, arbeiten mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen, betreiben und beteiligen uns an Forschungs- und Naturschutzprojekten und vermitteln jedes Jahr botanisches Wissen an unsere Besucher.

Führungen, Bildungsangebote, Pflanzeninformationen und die Dokumentation unserer Sammlungen gehören ebenso dazu wie die Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen, dem Von Ardenne Biomedical Institut, dem Verband der Botanischen Gärten, der DGGL, der GGUT oder der GdS, den Great Gardens of the World und weiteren anerkannten Institutionen.

All das haben wir mit erheblichem privatem Einsatz ohne jegliche staatliche Förderungen aufgebaut. Und nun soll uns zum 1. Januar 2027 einfach der Status als Botanischer Garten aberkannt werden. Das ist für uns vollkommen unverständlich. Nach § 4 Nr.20 Buchstabe a Satz 2 Umsatzsteuergesetz (UStG) sind Botanische  Gärten umsatzsteuerbefreit, wenn die gleichen kulturellen Aufgaben erfüllt werden, wie entsprechende öffentliche Einrichtungen – und das tun wir seit Jahrzehnten! Wie kann es sein, dass die Erfüllung dieser Anforderungen 2024 noch bestätigt wurde und nur kurze Zeit später eine Aberkennung von einer anderen Behörde erfolgen soll? Nur weil der Staat gierig ist auf noch mehr Steuern? Rückwirkend werden jetzt einige hunderttausend Euro gefordert und zukünftig sollen wir statt 15 Euro nun 18 oder 19 Euro Eintritt verlangen? Wer soll das bezahlen? All das, nur weil der Staat mit seinen Höchsteinnahmen an Steuergeldern nicht auskommt?

Was hat sich in der Zwischenzeit tatsächlich verändert? Unsere Pflanzensammlungen sind nicht verschwunden. Unsere wissenschaftlichen Kooperationen bestehen und werden jedes Jahr größer. Unsere Bildungsarbeit geht ebenfalls weiter. Unsere Besucher kommen mehr denn je, um seltene Pflanzen kennenzulernen, Gartenkunst zu erleben und die Natur in unserem besonderen Park zu genießen.

Wir haben den Landschaftspark nicht verkleinert oder aufgegeben. Im Gegenteil: Wir entwickeln ihn kontinuierlich weiter. Deshalb verlangen wir eine nachvollziehbare Erklärung, welche konkreten Voraussetzungen wir heute angeblich nicht mehr erfüllen sollen und weshalb die Einschätzung aus dem Jahr 2024 nicht mehr gelten soll. Bisher kam hierzu nichts und der 1.1.2027 rückt näher.

Für uns geht es dabei um mehr als nur eine behördliche Aberkennung. Es geht um die Anerkennung jahrzehntelanger Arbeit und um die Frage, ob private Initiativen, die öffentliche Aufgaben übernehmen, vom Staat unterstützt oder durch immer neue Verwaltungsanforderungen ausgebremst werden.

Herbstliche Szene mit Zypressen, die orangefarbene Blätter tragen, umgeben von einem mit Laub bedeckten Boden.

Ein privater Park, der öffentliche Aufgaben erfüllt

Schloss Dennenlohe wird nicht von einer großen staatlichen Einrichtung betrieben. Wir tragen als private Eigentümer die Verantwortung für einen historischen Landschaftspark, seine Gebäude, seine Pflanzen und seine Zukunft. Mit einem kleinen Team aus Gärtnern und Helfern leisten wir Arbeit, die andernorts von öffentlich finanzierten Institutionen übernommen wird. Wir erhalten botanische Sammlungen, schützen sie und schaffen neue Lebensräume, vermitteln Wissen und machen Gartenkultur für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das ist eine enorme Aufgabe. Und es ist eine Aufgabe, die wir aus Überzeugung und Leidenschaft übernommen haben.

Doch statt uns vollständig auf diese Arbeit konzentrieren zu können, müssen wir immer häufiger mühsame Verwaltungsverfahren führen, Einsprüche vorbereiten, Stellungnahmen verfassen und uns gegen Entscheidungen wehren, die wir für sachlich oder rechtlich völlig falsch halten. Rückzahlung Corona-Hilfe? Wir hatten 69 % Umsatzeinbuße von April/Mai 2019 auf April/Mai 2020. Das wird von den Behörden einfach negiert… und etliche tausend Euro zurückgefordert.

Was kostet eigentlich die Bürokratie?

Bei all diesen Auseinandersetzungen wird eines häufig vergessen: Bürokratie kostet nicht nur den Staat sehr viel Geld. Sie kostet auch diejenigen Geld, die von ihr betroffen sind. Jede Stunde, die wir mit einem fehlerhaften Steuerbescheid verbringen, fehlt uns im Park. Jede anwaltliche oder steuerliche Prüfung verursacht zusätzliche Kosten. Jede umfangreiche Stellungnahme bindet Arbeitskraft, die wir dringend an anderer Stelle benötigen.

Und gerade bei historischen Anlagen ist das besonders bitter. Denn das Geld, das wir für Verwaltungsstreitigkeiten ausgeben müssen, fehlt anschließend bei der Restaurierung eines Gebäudes, der Pflege einer Pflanzensammlung oder der Sanierung eines Steges.

Der Staat spricht gerne vom Erhalt des kulturellen Erbes, von Biodiversität, der Nachhaltigkeit, der Naturbildung und des bürgerschaftlichen Engagements.Wir setzen viele dieser Ziele seit Jahrzehnten ganz praktisch um. Doch wir erleben zugleich, wie schwierig es sein kann, genau diese Arbeit unter den bestehenden bürokratischen Bedingungen fortzuführen.

Wir wollen keine Sonderbehandlung. Wir wollen faire Behandlung.

Natürlich braucht ein Rechtsstaat Regeln. Natürlich müssen Steuern erhoben, Vorschriften eingehalten und behördliche Entscheidungen überprüft werden können. Aber Regeln müssen nachvollziehbar sein. Entscheidungen müssen auf zutreffenden Tatsachen beruhen. Und Behörden müssen bereit sein, Fehler zu korrigieren.

Wir erwarten wahrlich keine Privilegien, nur weil wir leider ein Schloss besitzen. Wir erwarten aber, daß unser Engagement, die besonderen Verpflichtungen eines denkmalgeschützten Anwesens und unsere lebenslangen Leistungen für die Öffentlichkeit sachgerecht berücksichtigt werden. Wenn eine Grundsteuerberechnung falsch ist, muss sie korrigiert werden. Wenn steuerliche Ermittlungen auf unzutreffenden Feststellungen beruhen, müssen diese überprüft und gegebenenfalls berichtigt werden. Und wenn ein Botanischer Garten nach mehreren positiven Überprüfungen in Jahrzehnten plötzlich seine Anerkennung verlieren soll, dann muss es dafür überzeugende, transparente und überprüfbare Gründe geben.

Wir kämpfen weiter – für Dennenlohe und unser kulturelles Erbe

Manchmal fragen wir uns tatsächlich, warum wir uns das alles antun. Warum wir seit Jahrzehnten Zeit, Geld und Energie in ein historisches Anwesen investiert haben, das wir der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.

Die Antwort ist einfach. Weil wir Schloss Dennenlohe und unseren Park lieben. Weil wir an den Wert historischer Gärten glauben. Weil wir wissen, daß solche Orte nicht wiederhergestellt werden können, wenn sie einmal verloren sind. und wenn wir jetzt aufhören, werden unsere Kinder sicher nicht weitermachen. Warum sollten sie sich das auch antun… Der Park von Dennenlohe wird dann wieder ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Alle seltenen Pflanzen werden entfernt. Das Abenteuer ist vorbei.

Wir sind überzeugt, daß private Eigentümer einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der deutschen Kulturlandschaft leisten. Aber diese Arbeit darf nicht durch immer neue bürokratische Auseinandersetzungen unnötig erschwert werden.

Deutschland braucht Menschen, die Verantwortung für kulturelles Erbe übernehmen. Und es braucht Behörden, die diese Menschen fair, verlässlich und mit Augenmaß behandeln.

Wir werden uns deshalb weiterhin gegen Entscheidungen wehren, die wir für falsch halten. Nicht, weil wir gerne streiten. Sondern weil wir wollen, dass Schloss Dennenlohe auch in Zukunft ein lebendiger Ort der Gartenkunst, der Wissenschaft, der Kultur und der Begegnung bleibt. Und vielleicht ist es an der Zeit, öffentlich darüber zu sprechen, wie viel Bürokratie diejenigen aushalten müssen, die unser kulturelles Erbe erhalten.

Ich kann auf jeden Fall heute Nacht – genau wie Holly – besser schlafen – schon die alte Römer wussten, daß man nicht alles mit sich allein ausmachen sollte – mein Frust ruht jetzt auf vielen Schultern…

Ein schlafender Hund mit braunem und schwarzem Fell liegt entspannt im Sand.

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